/ 11.06.2013
Thomas Reuther
Die ambivalente Normalisierung. Deutschlanddiskurs und Deutschlandbilder in den USA, 1941-1955
Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2000 (Transatlantische Historische Studien 11); 476 S.; geb., 44,99 €; ISBN 3-515-07689-1Geschichtswiss. Diss. Heidelberg; Gutachter: D. Junker, C. Zimmermann. - Die amerikanische Deutschlandpolitik der Vierziger- und Fünfzigerjahre zählt insbesondere aufgrund ihres komplizierten und doch erfolgreichen Wechsels von Feindschaft zu Freund- und Partnerschaft wohl zu dem am umfassendsten bearbeiteten Thema deutscher Amerikaforschung. Auch in den USA rief das Thema einiges Interesse hervor, wie der Autor in seinem Vorwort deutlich macht. Das "german problem" mit all seinen Dimensionen be...
Thomas Reuther
Die ambivalente Normalisierung. Deutschlanddiskurs und Deutschlandbilder in den USA, 1941-1955
Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2000 (Transatlantische Historische Studien 11); 476 S.; geb., 44,99 €; ISBN 3-515-07689-1Geschichtswiss. Diss. Heidelberg; Gutachter: D. Junker, C. Zimmermann. - Die amerikanische Deutschlandpolitik der Vierziger- und Fünfzigerjahre zählt insbesondere aufgrund ihres komplizierten und doch erfolgreichen Wechsels von Feindschaft zu Freund- und Partnerschaft wohl zu dem am umfassendsten bearbeiteten Thema deutscher Amerikaforschung. Auch in den USA rief das Thema einiges Interesse hervor, wie der Autor in seinem Vorwort deutlich macht. Das "german problem" mit all seinen Dimensionen besaß in der amerikanischen Diskussion jener Zeit einen besonderen Stellenwert. Um so verwunderlicher erscheint es, so Reuther, dass es bisher kaum systematische Forschung zu den diesem Wandel zugrunde liegenden Deutschlandbildern gegeben hat. Sein Ziel ist es, eben diese Lücke zu schließen und "diesen inneramerikanischen Deutschlanddiskurs für die Zeitspanne von 1941 bis 1955 zu rekonstruieren, da trotz der bereits erwähnten Fülle von Literatur zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen der vierziger und fünfziger Jahre eine Darstellung des Deutschlandbildes in der amerikanischen Öffentlichkeit und seiner Wechselbeziehung zur offiziellen Deutschlandpolitik der Truman- und Eisenhowerära fehlt" (16). Reuther zeigt deutlich, dass ein einheitliches "amerikanisches" Deutschlandbild selbst während des Krieges nicht existierte und sich auch danach nicht ausprägte. Vielmehr hielten sich während des betrachteten Zeitraums differenzierte Bilder, welche durch die jeweiligen ordnungspolitischen Konzepte ihrer Träger bestimmt wurden. In den ersten Jahren dominierten zwei Extrempositionen: Auf der einen Seite die Forderung nach Wiederaufbau und Hilfe, auf der anderen Seite die Forderung nach politischer und ökonomischer Eingrenzung sowie Niederhaltung Deutschlands. Der Beginn des Kalten Krieges beeinflusste jedoch beide Positionen nachhaltig. Von nun an stand jegliche Perzeption Deutschlands im Kontext des Kalten Krieges. "Deutsche Politik bewegte sich, und daran sollten die kommenden Jahre nichts ändern, von nun an im Schatten des doppelten Verdachts eines versteckten Nationalismus und Rechtsextremismus einerseits und einem Bündnis mit dem Kommunismus stalinistischer Prägung andererseits." (433) Reuthers Darstellung folgt im Wesentlichen der chronologischen Entwicklung, wobei die ersten fünf Kapitel theoretischen Erwägungen und den Deutschlandbildern vor und während des Zweiten Weltkrieges gewidmet sind. Die anregende Darstellungsweise und die umfangreiche Quellenbasis tragen zum Gesamteindruck des Bandes maßgeblich bei.
Stefan Göhlert (SG)
M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
Rubrizierung: 2.64
Empfohlene Zitierweise: Stefan Göhlert, Rezension zu: Thomas Reuther: Die ambivalente Normalisierung. Stuttgart: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12592-die-ambivalente-normalisierung_15052, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15052
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M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
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