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/ 12.06.2013
Theo Votsos

Der Begriff der Zivilgesellschaft bei Antonio Gramsci. Ein Beitrag zu Geschichte und Gegenwart politischer Theorie

Hamburg/Berlin: Argument 2001 (Argument Sonderband N. F. AS 281); 173 S.; 15,50 €; ISBN 3-88619-281-4
Votsos nimmt die allenthalben zu beobachtende Bezugnahme auf die Zivilgesellschaft zum Ausgangspunkt einer Rekonstruktion dieses Konzeptes bei Antonio Gramsci - einschließlich der Möglichkeit, „Gramscis Ansatz auch auf seine aktualisierbaren Potentiale hin abzuklopfen" (7). Dabei macht er darauf aufmerksam, dass der Gründer der kommunistischen Partei Italiens mit dem so modisch gewordenen Begriff keineswegs die Herrschaftsfrage ausblendete. Auch das Verhältnis von Zivilgesellschaft und Hegemonie...
Theo Votsos

Der Begriff der Zivilgesellschaft bei Antonio Gramsci. Ein Beitrag zu Geschichte und Gegenwart politischer Theorie

Hamburg/Berlin: Argument 2001 (Argument Sonderband N. F. AS 281); 173 S.; 15,50 €; ISBN 3-88619-281-4
Votsos nimmt die allenthalben zu beobachtende Bezugnahme auf die Zivilgesellschaft zum Ausgangspunkt einer Rekonstruktion dieses Konzeptes bei Antonio Gramsci - einschließlich der Möglichkeit, „Gramscis Ansatz auch auf seine aktualisierbaren Potentiale hin abzuklopfen" (7). Dabei macht er darauf aufmerksam, dass der Gründer der kommunistischen Partei Italiens mit dem so modisch gewordenen Begriff keineswegs die Herrschaftsfrage ausblendete. Auch das Verhältnis von Zivilgesellschaft und Hegemonie im Sinne Gramscis wird von Votsos betont. Eine damit unvereinbare Reduktion des Begriffes habe auch schon den durch die Umwälzungen in Ost- und Mitteleuropa etablierten Umgang mit der Zivilgesellschaft geprägt: „Aus einem utopischen Gegenentwurf zur Verstaatlichung der Gesellschaft unter einer bürokratisch entstellten sozialistischen Herrschaft wurde ein Sammelbegriff für die Transformationsziele der neuen politischen Eliten." (14) Votsos Fragestellung ist vor diesem Hintergrund, „ob es sich dabei [bei der Zivilgesellschaft, M. F.] mehr um ein Modewort oder um den ernstzunehmenden Versuch handelt, etwas zur empirischen Diagnose realer demokratisch-kapitalistischer Gesellschaften beizutragen" (21). In der Summe warnt Votsos vor „idealistischer[r] Reduktion", die die „antikapitalistische Stoßrichtung" (138) Gramscis missachte: „Der Begriff der ‚societá civile' ist also eine analytische Kategorie, keinesfalls eine Wertvorstellung. Vordringlicher Gegenstand von Gramscis Analyse ist die Zivilgesellschaft als Form der Klassenherrschaft" (141). Inhaltsübersicht: Grundlegende Vorüberlegungen; 1. Vom Aufbruch in die Zivilgesellschaft zu Gramscis ‚societá civile' - der aktuelle Kontext der civil society-Debatte; 2. ‚Eine Rebellion gegen Gefängnismauern' - ein Exkurs zu Gramscis Gefängnisheften; 3. Kurzbiographie Gramscis; 4. Der Begriff der Zivilgesellschaft bei Antonio Gramsci; 5. Binnenstrukturen und Herrschaftsmechanismen der Zivilgesellschaft - zur Organisation der Hegemonie; 6. Zivilität statt Subalternität: Ein Versuch zur Aktualisierung der ‚societá civile'.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 5.46 Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Theo Votsos: Der Begriff der Zivilgesellschaft bei Antonio Gramsci. Hamburg/Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13959-der-begriff-der-zivilgesellschaft-bei-antonio-gramsci_16730, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 16730 Rezension drucken
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