/ 11.06.2013
Konrad Seitz
China. Eine Weltmacht kehrt zurück
Berlin: Siedler Verlag 2000; 447 S.; ISBN 3-88680-646-4Seit den Reformen Deng Xiaopings 1978 hat China eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Über Jahre hinweg wuchs das Bruttoinlandsprodukt um zweistellige Raten und noch 1999 nahm es um 7,1 % zu. Seitz, Autor mehrerer Bestseller über Asien beziehungsweise die Beziehungen asiatischer Staaten zum Westen, untersucht die Gründe für diesen beispiellosen Umwandlungsprozess. Im ersten Teil des Buchs zeichnet er die Entwicklungslinien der chinesischen Politik, Wirtschaft und Gesells...
Konrad Seitz
China. Eine Weltmacht kehrt zurück
Berlin: Siedler Verlag 2000; 447 S.; Ln., 49,90 DM; ISBN 3-88680-646-4Seit den Reformen Deng Xiaopings 1978 hat China eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Über Jahre hinweg wuchs das Bruttoinlandsprodukt um zweistellige Raten und noch 1999 nahm es um 7,1 % zu. Seitz, Autor mehrerer Bestseller über Asien beziehungsweise die Beziehungen asiatischer Staaten zum Westen, untersucht die Gründe für diesen beispiellosen Umwandlungsprozess. Im ersten Teil des Buchs zeichnet er die Entwicklungslinien der chinesischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nach. Als Hochkultur, die über Jahrhunderte hinweg alle europäischen Staaten in den Schatten stellte, war China lange Zeit bereits die am weitesten entwickelte Wirtschaftsmacht der Welt. Doch auch die streng hierarchisch aufgebaute Beamtenschaft konnte die teils durch innere Entwicklungen, teils durch außenpolitische oder militärische Herausforderungen begründeten Umbrüche nicht verhindern. Das Riesenreich ging durch viele Wechselfälle der Geschichte, brach mehrfach unter dem Ansturm wechselnder Eroberer zusammen, verlor aber nie die frappierende Fähigkeit, die Grundelemente seiner Zivilisation zu bewahren. Letztlich wurden alle Eroberer sogar mehr oder weniger vollständig sinisiert. Wirtschaftlich blieb China jedoch bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Entwicklungsland. Die ausländischen Interventionen am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren ebenso wichtige Gründe dafür wie die Erstarrung im Innern. Die kommunistische Herrschaft brachte dann jedoch erst recht Unglück und Verderben über das chinesische Volk. Seitz schildert diese Zusammenhänge detail- und kenntnisreich, ohne jedoch in unnötigen Wissenschaftsjargon zu verfallen. Sein Buch bietet somit einen auch und gerade für Nicht-Experten informativen und lesbaren Überblick über die chinesische Entwicklung mit dem Schwerpunkt auf der Innen- und Wirtschaftspolitik in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Seitz sieht in China ein ungeheures wirtschaftliches Potenzial. Die chinesische Volkswirtschaft könnte nach seiner Meinung im Jahre 2020 die größte der Welt sein. Die weltpolitischen oder regionalen Folgen dieser Entwicklung thematisiert Seitz jedoch nur am Rande. Er lässt offen, ob China seine alten imperialen Traditionen auf der Basis der neu gewonnenen wirtschaftlichen Stärken wiederbeleben könnte oder ob es gelingen kann, das Land in friedlicher Weise als neue Großmacht in das internationale System zu integrieren. "Dies allerdings setzt voraus, dass die Europäer zuerst einmal begreifen, was sich in Asien abspielt: der Aufstieg einer Weltmacht." (440)
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.68
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Konrad Seitz: China. Berlin: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13079-china_15668, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15668
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M. A., Politikwissenschaftler.
CC-BY-NC-SA