/ 12.06.2013
Norbert Brieskorn / Johannes Wallacher (Hrsg.)
Beschleunigen, Verlangsamen. Herausforderung an zukunftsfähige Gesellschaften
Stuttgart/Berlin/Köln: Verlag W. Kohlhammer 2001 (Globale Solidarität - Schritte zu einer neuen Weltkultur 6); XII, 143 S.; kart., 25,- €; ISBN 3-17-016813-4Parallel zur Entgrenzung des Raumes im Zuge der Globalisierung vollzieht sich eine Entgrenzung der Zeit, die sich in einer fortwährenden Beschleunigung äußert, die alle Lebensbereiche erfasst. Die Analyse dieses Prozesses und die Frage nach dem richtigen Verhältnis von Beschleunigung und Verlangsamung waren Thema eines Symposions der Münchener Hochschule für Philosophie, das im Mai 2000 stattfand und dessen Vorträge und Diskussionen in diesem Band dokumentiert werden. Aus politikwissenschaftlich...
Norbert Brieskorn / Johannes Wallacher (Hrsg.)
Beschleunigen, Verlangsamen. Herausforderung an zukunftsfähige Gesellschaften
Stuttgart/Berlin/Köln: Verlag W. Kohlhammer 2001 (Globale Solidarität - Schritte zu einer neuen Weltkultur 6); XII, 143 S.; kart., 25,- €; ISBN 3-17-016813-4Parallel zur Entgrenzung des Raumes im Zuge der Globalisierung vollzieht sich eine Entgrenzung der Zeit, die sich in einer fortwährenden Beschleunigung äußert, die alle Lebensbereiche erfasst. Die Analyse dieses Prozesses und die Frage nach dem richtigen Verhältnis von Beschleunigung und Verlangsamung waren Thema eines Symposions der Münchener Hochschule für Philosophie, das im Mai 2000 stattfand und dessen Vorträge und Diskussionen in diesem Band dokumentiert werden. Aus politikwissenschaftlicher Sicht sind vor allem die Beiträge von Henckel und Bender von Interesse. Henckel beschreibt die Tendenzen zur Beschleunigung anhand verschiedener Beispiele aus Wirtschaft und Gesellschaft und analysiert die Folgen dieses Prozesses. Bender erklärt die Beschleunigung als eine Folge der ökonomischen Rationalität, die im Zuge der Globalisierung alle Lebensbereiche erfasst und zu einer "Uniformierung der gesellschaftlichen Wirklichkeit" (63) führt. Damit wird die Rationalität, die die Moderne kennzeichnet, auf eine bloße Zweckrationalität reduziert und der emanzipatorische Aspekt der Selbstfindung des Bürgers vernachlässigt: Demokratie, so Bender, setzt voraus, dass die Bürger "Zeit zur reflexiven Auseinandersetzung mit ihrer Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft" (64) finden und sich vom Zeitdiktat befreien. Die anregend geschriebenen Beiträge bezwecken zwar keine politikwissenschaftliche Analyse, doch sie zeigen im Ergebnis, dass die zeitliche Entgrenzung (ähnlich wie die räumliche) eine Gefährdung für die demokratischen Prozesse darstellt, weil aus der "Politik der Beschleunigung [...] zwangsläufig die Beschleunigung der Politik" (Bender [41]) und damit eine Minderung der Qualität politischer Entscheidungen hervorgeht.
Inhalt: Dietrich Henckel: Die Überholspur als der gerade Weg ins Glück? Zu aktuellen Beschleunigungstendenzen in modernen Gesellschaften (1-38); Christiane Bender: Modernisierung durch Beschleunigung? Sozialphilosophische und sozioökonomische Analysen des Zusammenhangs zwischen Reform und Temporalisierung gesellschaftlicher Prozesse (39-78); Gerd Haeffner S. J.: Zeitentwürfe und Eigengeschwindigkeiten. Anthropologische Sondierungen (79-105); Karlheinz A. Geißler: Im Wandel der Zeit - Die Zeit im Wandel. Perspektiven einer Ökologie der Zeit (107-137).
Hendrik Hansen (HH)
Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 2.23 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Hendrik Hansen, Rezension zu: Norbert Brieskorn / Johannes Wallacher (Hrsg.): Beschleunigen, Verlangsamen. Stuttgart/Berlin/Köln: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13881-beschleunigen-verlangsamen_16640, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 16640
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Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
CC-BY-NC-SA