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/ 03.06.2013
Johannes Gross

Begründung der Berliner Republik. Deutschland am Ende des 20. Jahrhunderts

Berlin: Ullstein 1997; 106 S.; ISBN 3-548-26504-9
Neuausgabe des 1995 bei der Deutschen Verlags-Anstalt erschienenen Buches. Berliner Republik - dies ist der Begriff, mit dem seit dem 3. Oktober 1990 die Andersartigkeit der größer gewordenen Bundesrepublik Deutschland gegenüber ihrem Bonner Vorgängermodell verdeutlicht werden soll. Worin jedoch außer des territorialen Zuschnitts die Unterschiede bestehen, bleibt meist nicht nur den Lesern oder Zuhörern, sondern auch denjenigen, die dieses Schlagwort benutzen, unklar. Auch der vorliegende Essay...
Johannes Gross

Begründung der Berliner Republik. Deutschland am Ende des 20. Jahrhunderts

Berlin: Ullstein 1997; 106 S.; 14,90 DM; ISBN 3-548-26504-9
Neuausgabe des 1995 bei der Deutschen Verlags-Anstalt erschienenen Buches. Berliner Republik - dies ist der Begriff, mit dem seit dem 3. Oktober 1990 die Andersartigkeit der größer gewordenen Bundesrepublik Deutschland gegenüber ihrem Bonner Vorgängermodell verdeutlicht werden soll. Worin jedoch außer des territorialen Zuschnitts die Unterschiede bestehen, bleibt meist nicht nur den Lesern oder Zuhörern, sondern auch denjenigen, die dieses Schlagwort benutzen, unklar. Auch der vorliegende Essay von Gross kann zur Erhellung nur bedingt beitragen, obwohl er einige interessante Beobachtungen über die Veränderungen der politischen und gesellschaftlichen Realität in Deutschland enthält. So erweisen sich wesentliche Unterschiede, wie der Bedeutungsverlust der politischen Parteien, Kirchen und Gewerkschaften, die vom Autor als Garanten der Bonner Republik bezeichnet werden, als Veränderungen, die bereits vor 1990 weit fortgeschritten waren und eher einer allgemeinen denn einer durch die Vereinigung bedingten besonderen gesellschaftlichen Entwicklung geschuldet werden. Gleiches gilt für die prognostizierte zunehmende plebiszitäre Tendenz der Berliner Republik. Anderes, wie die Analyse der Kanzlerschaft Kohls, die "nicht stilbildend [ist] und keine Nachfolge [stiftet]" (52), bleibt ohne Perspektive für den Untersuchungsgegenstand oder bewegt sich auf der Ebene der Spekulation, wie die Erörterung der "Chance, die Fehlentwicklungen des föderativen Systems zu korrigieren" (72). Da "die außenpolitische Orientierung Deutschlands auch als Berliner Republik nur die westeuropäische sein [kann]" (80), und sich somit auch in dieser Hinsicht kein zentraler Unterschied zur Bonner Republik bemerken läßt, bleibt außer der unbestreitbaren Feststellung, daß sich mit Berlin "das Stichwort provinziell nicht verknüpfen lassen [wird], das Bonn immer anhaftete" (55), kaum Greifbares bestehen. Inhalt: I. Die alte Republik; II. Verfassungsänderung; III. Das Kartell der Garanten; IV. Das Ende der Parteiendemokratie; V. Kirchen und Gewerkschaften; VI. Die instabile Normalität; VII. Restbezirke der Stabilität; VIII. Der Staat als Büttel der Gesellschaft; IX. Die Übergangswahlen; X. Kohl; XI. Die Hauptstadt; XII. Wie das Grundgesetz in Kraft treten kann; XIII. Deutschland in der neuen Weltordnung; XIV. Gewißheiten, deutsche und andere; XV. Innere Einheit.
Wolfgang Wagner (WW)
Diplom-Kaufmann, Dr. rer. pol., Politologe, Gütersloh.
Rubrizierung: 2.3 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Wagner, Rezension zu: Johannes Gross: Begründung der Berliner Republik. Berlin: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3159-begruendung-der-berliner-republik_4150, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 4150 Rezension drucken
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