/ 11.06.2013
Werner Anzenberger
Absage an eine Demokratie. Karl Kraus und der Bruch der österreichischen Verfassung 1933/34
Graz: Leykam 1997; 180 S.; ISBN 3-7011-7354-0Kraus und seine Reaktion auf den Bruch der österreichischen Verfassung im Zuge der "Selbstermächtigung" der Regierung Dollfuß im Mai 1934 (unter Ausschaltung der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion) stehen im Zentrum dieser Studie. Der Autor, Jurist und Historiker, zeichnet zunächst ein Bild der innenpolitischen Verhältnisse Österreichs zwischen 1927 und 1934/35, die von andauernden, zum Teil gewaltsam und mit illegalen Mitteln ausgetragenen Auseinandersetzungen zwischen der Sozialdemokratie...
Werner Anzenberger
Absage an eine Demokratie. Karl Kraus und der Bruch der österreichischen Verfassung 1933/34
Graz: Leykam 1997; 180 S.; 34,30 DM; ISBN 3-7011-7354-0Kraus und seine Reaktion auf den Bruch der österreichischen Verfassung im Zuge der "Selbstermächtigung" der Regierung Dollfuß im Mai 1934 (unter Ausschaltung der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion) stehen im Zentrum dieser Studie. Der Autor, Jurist und Historiker, zeichnet zunächst ein Bild der innenpolitischen Verhältnisse Österreichs zwischen 1927 und 1934/35, die von andauernden, zum Teil gewaltsam und mit illegalen Mitteln ausgetragenen Auseinandersetzungen zwischen der Sozialdemokratie, den Gewerkschaften und Arbeitervereinen einerseits und den rechtskonservativen, autoritären Kräften auf Bundes- und Landesebene andererseits geprägt waren. Hintergrund ist dabei natürlich der politische Aufstieg und die Machtübernahme der Nationalsozialisten im benachbarten Deutschland. Dass mit Kraus und seinem publizistischen Organ "Die Fackel" die wortmächtigste und unerbittlichste Stimme gegen Krieg, Militarismus und die gesellschaftlichen sowie politischen Missstände und Skandale in Österreich sowohl zur Machtübernahme Hitlers 1933 als auch zum autoritären "Putsch" Dollfuß', Schuschniggs und anderer im Jahr darauf schwieg, hat Zeitgenossen und Anhänger Kraus' zunächst erstaunt und in der Folge, insbesondere nach seinem Tod 1936, immer wieder nach erklärenden Deutungen in Übereinstimmung mit seinem publizistischen Engagement vor 1933/34 suchen lassen. Der Autor geht in die entgegengesetzte Richtung und sucht Kraus' Verhalten als stillschweigende Duldung des rechtsnationalen Putsches und der Installierung einer autoritären und dezidiert antidemokratischen Regierung zu deuten. Belege dafür findet er in erster Linie nicht in den sehr spärlichen und vielfach kryptischen Äußerungen Kraus' nach 1933, sondern vielmehr in den bis dahin veröffentlichten Schriften, in denen der Autor Kraus eine unterschwellig elitäre und antidemokratische Politikauffassung im Gefolge Nietzsches nachweisen zu können glaubt.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.4
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Werner Anzenberger: Absage an eine Demokratie. Graz: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12844-absage-an-eine-demokratie_15380, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15380
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
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