Portal für Politikwissenschaft

Markus Linden / Winfried Thaa (Hrsg.)

Ungleichheit und politische Repräsentation

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014; 272 S.; brosch., 29,- €; ISBN 978-3-8487-1298-4
Im Rahmen des von Winfried Thaa von 2005 bis 2012 geleiteten Teilprojekts „Formen und Funktionsweisen politischer Repräsentation von Fremden und Armen in der Bundesrepublik“ innerhalb des Sonderforschungsbereichs „Fremdheit und Armut. Wandel von Inklusions‑ und Exklusionsformen von der Antike bis zur Gegenwart“ an der Universität Trier sind zahlreiche anregende Publikationen zur aktuellen Repräsentationsdebatte entstanden. Dieser Band geht auf eine im Oktober 2012 durchgeführte Tagung des Teilprojekts zurück, die die Diskrepanz zwischen neuen Formen der sozialen Ungleichheit und deren Interessenberücksichtigung im repräsentativen politischen System zum Thema hatte. Wenigstens unter deskriptiv‑soziodemografischen Gesichtspunkten ist kaum bestreitbar, dass – gemessen an Wahlbeteiligung oder Mandatsverteilung – sozial benachteiligte Gruppen über deutlich geringere Chancen als Mittelschichten verfügen, Zugang zu den Gremien repräsentativer Demokratie zu erhalten. Dieser Befund wird von einem Teil der Beiträge empirisch untermauert und an unterschiedlichen Gegenständen diskutiert. Die Analysen beziehen sich auf systematische Ausgrenzungseffekte des neoliberalen Sozialstaats, politische Folgen der sozialen Differenzierung der klassischen Industriearbeiterschaft, erodierenden Partizipationschancen in Mitgliederparteien und Gewerkschaften sowie Grenzen einer politischen Repräsentation von Muslimen in der Deutschen Islam Konferenz. Die zweite Gruppe von Beiträgen greift eher politiktheoretische Bezüge auf. Um analytisch‑erklärende Ansätze geht es bei Fragen nach den Bedingungen einer Issuefähigkeit gesellschaftlicher Interessen oder der Möglichkeit, schwache Interessen durch Verfahren der Losdemokratie politisch zu repräsentieren. Alternative Interpretationsvorschläge zum liberalen Repräsentationsmodus werden im Anschluss an die Figurationstheorie von Norbert Elias sowie mit Blick auf essentialisierende Effekte der Gruppenrepräsentation in Integrationsbeiräten und in Auseinandersetzung mit feministischen Konzepten diskutiert.
Thomas Mirbach, Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.22.322.352.3315.415.42 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Markus Linden / Winfried Thaa (Hrsg.): Ungleichheit und politische Repräsentation Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38688-ungleichheit-und-politische-repraesentation_46596, veröffentlicht am 30.07.2015. Buch-Nr.: 46596 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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