Portal für Politikwissenschaft

Thema: Brexit – Großbritannien zwischen Re-Nationalisierung und Globalisierung

(Il-)Legitimität und Demokratie
Ein Gespräch mit Gerard Delanty über den Brexit und den Wählerwillen

Dem Brexit-Referendum habe es an demokratischer Legitimität gefehlt und auch die Umsetzung der äußerst knappen Entscheidung sei kein Ausdruck eines demokratisch gefundenen Willens der Theresa London Brexit pro EU protest March 25 2017 32britischen Wähler, stellt Gerard Delanty in diesem Interview fest. Delanty ist Professor für Soziologie und soziopolitische Theorie an der University of Sussex sowie Herausgeber des European Journal of Social Theory. Er argumentiert zudem, dass es bei dem Referendum nur auf den ersten Blick um die Beantwortung einer politischen Frage gegangen sei – tatsächlich seien die neoliberale Transformation des Kapitalismus, die sich in der EU-Integration als Öffnung der Märkte spiegele, und die damit einhergehende tiefe gesellschaftliche Spaltung verhandelt worden. Der Graben verlaufe zwischen Kosmopoliten und Nationalisten. Letztere seien häufig diejenigen, die in den sozialen Strukturen absteigender Gesellschaften und rückläufiger Volkswirtschaften gefangen seien und deren Perspektiven durch eine verstärkte Integration nicht verbessert würden. Ihre Ängste drückten sich dann in Fremdenfeindlichkeit aus. Diese Problematik sei keinesfalls eine allein britische, sondern eine europäische. Der Brexit sollte daher als ein Aufruf verstanden werden, alternative Argumente für die Zukunft Europas zu finden.
zum Interview

 


Thema: Rechtspopulismus und Medien

Der Aufstieg des Populismus
Performance und Politischer Stil

Moffitt global rise of populism pid 25175Der Politikwissenschaftler Benjamin Moffitt sieht im Erstarken des Populismus ein globales Phänomen. In seinem Buch entwickelt er ein Konzept, mit dem Populismus als politischer Stil betrachtet werden kann: Sein Augenmerk richtet sich weniger auf Parteien und Strömungen, sondern auf einzelne Persönlichkeiten und Politiker, die sich als Darsteller auf der Bühne der modernen Medienlandschaft als Anwalt der „einfachen“ Leute inszenieren und gleichzeitig als Führungsfigur gesehen werden wollen. Der Autor arbeitet eine klare Verbindung zwischen der Renaissance des Populismus und der medialen Inszenierung von Politik heraus.

zur Rezension

Thema: Islamistische Radikalisierung in der westlichen Welt

Das religiöse Fundament des Dschihadismus
Eine eigene Lesart der Geschichte

zerstoerte MaedchenschuleVorgestellt werden drei Bücher, die sich mit der Verbindung von Islam und Gewalt befassen. Rüdiger Lohlker legt ein äußerst quellenreiches Überblickswerk über die Entwicklung und Verbreitung einer radikalen islamischen Theologie vor. Darin wird unter anderem die besondere Rolle des Militärischen in der islamischen Tradition herausgearbeitet. Jan-Heiner Tück bietet mit seinem Sammelband eine teils kontroverse Diskussion über die Radikalität des Islam. Einen Schwerpunkt stellt die Konzeption des Martyriums dar. Abdel Bari Atwan wiederum betrachtet die Bedeutung der neuen Medien als wichtige Stütze des IS. Er beschreibt, wie der IS moderne Kommunikationsmedien geschickt nutzt, um speziell junge Menschen anzusprechen, und welche Faszination aus der Verbindung von mittelalterlichem Ambiente und Hightech ausgeht. Zusammengenommen sind die drei Bücher als Warnung vor der Annahme zu lesen, der Krieg gegen den IS sei mit seiner militärischen Niederlage in Syrien und dem Irak beendet. Vielmehr bedarf es einer gründlichen Aufarbeitung des dschihadistischen Denkens, so der Tenor, um der islamischen Legitimation des Terrors entgegenzutreten und alternative Formen des Islam zu präsentieren. Nur so lässt sich die Attraktivität der IS-Gewaltideologie eindämmen.

zur Rezension


Thema: Repräsentation durch Wahlen

Wahlen und Demokratie
Reform des Wahlrechts

Mit dem deutschen Wahlrecht verhält es sich ein wenig wie mit dem Wetter, irgendwie kann da jeder mitreden. Doch die Forschung darüber hat sich ein wenig abseits der populärwissenschaftlichen Debatten oder systematisierenden Einführungen zum Thema in einer ganz bemerkenswerten Weise ausdifferenziert beziehungsweise die heute im bundesrepublikanischen Kontext relevanten Fragestellungen haben sich verschoben. In diesem von Tobias Mörschel publizierten Sammelband steht daher vor allem die Funktion von Wahlen für die politische Integration im Mittelpunkt.

zur Rezension

suchen & finden

Die Annotierte Bibliografie

Über diese Suche wird der Zugang zur Annotierten Bibliografie der Politikwissenschaft eröffnet, zu finden sind über 40.000 Kurzrezensionen aus dem Zeitraum von 1996 bis 2016. Erfasst ist damit die politikwissenschaftlich relevante Fachliteratur mit deutscher ISBN. Die erweitere Suche bietet die Möglichkeit, für die eigene Forschungstätigkeit gezielt zu bibliografieren. Zu zahlreichen  ausgewählten Themen aus verschiedenen Politikbereichen sind außerdem Auswahlbibliografien zusammengestellt.

Rezension

Zivilgesellschaft und Demokratie
Eine Konzeptualisierung

Am Beispiel der Transformationen in Mittel- und Osteuropa nach 1989 fragt Dorota Pietrzyk-Reeves nach den Bedingungen für das Gelingen von Demokratisierungsprozessen. Von zentraler Bedeutung ist ihrer Ansicht nach die Zivilgesellschaft, die sie in den Kontext von partizipativ ausgerichteten Demokratietheorien stellt. Eine Teilhabe der Zivilgesellschaft könne sich aber nur dann entwickeln, wenn die aktiven Bürger sich auf stabile Institutionen verlassen können. In Mittel- und Osteuropa aber seien die Institutionen labil und damit ein Hemmnis für die Transformation gewesen.

zur Rezension

Suchen...